Graue Wolken in der IT-Welt

Wolken stehen im Reallife für eine bestimmte Wetterlage: Es ist bewölkt, das bedeutet dass der Himmel von Dunstwolken übersät ist, so dass man die Sonne nur noch erahnen kann. In der Informationstechnologie stehen Wolken für eine hochmoderne Technologie, die langsam aber sicher in die Computerwelt einzieht.

Worum gehts?

Unter Cloud-Computing bzw. Cloud-IT versteht man das Auslagern von Speicherplatz und Rechenleistung auf einen externen Computer (Server), die sog. Cloud. Mehrere Benutzer (Cloud-Clients) können über ein Netzwerk gleichzeitig auf genau die gleichen Dateien und die gleichen Anwendungen zurückgreifen, natürlich mit gewissen Einschränkungen. In der Realität gibt es bisher nur Ansätze für diese Technik: Mit Googles Service docs liegt ein lauffähiges Office Paket kostenlos bereit, abrufbar mit dem Browser. Software muss nicht installiert werden, alles was man benötigt stellt Google auf den hauseigenen Servern zur Verfügung. Dateien kann man auch gleich speichern und – wenn es denn sein muss – kann man sie sogar herunterladen und auf dem EIGENEN Rechner speichern.

Amazon bietet einen Dienst mit der Typenbezeichnung EC2 an, bei dem man sich Server mieten kann um eine eigene Cloud aufzubauen.

Nachteile

Hieran erkennt man schon: Cloud-IT hat den riesigen Nachteil, dass man die Kontrolle über eigenen Dateien verliert. Die Daten, die Software, alles liegt auf Rechnern, die man im echten Leben niemals zu Gesicht bekommen wird, man wird die Menschen nie persönlich kennen lernen, die sich um die Wartung dieser Rechner kümmern und auch nie in das Angesicht des Verantwortlichen dieser Serverfarmen sehen. Alles geschieht im wahrsten Sinne des Wortes in einer Wolke, einem undurchsichtigem Gebilde, dessen Struktur man nicht durchschauen kann. Man gerät in die Abhängigkeit von fremden Anbietern und muss diesen fremden Menschen blind vertrauen.

Rein technisch gesehen können die Anbieter auf jede Datei zugreifen, die dort gespeichert sind. Sie können Mails lesen, sie auswerten und, wenn es um Firmendaten geht, diese auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Gut, das ist weit hergeholt, aber trotzdem realistisch.

Doch auch eine firmeneigene Wolke auf eigenen Server birgt Gefahren. Sollte ein Hardwarefehler bei einem Cloud-Client auftreten ist das im System nahezu folgenlos: keine Daten gehen verloren, denn alles ist extern gespeichert. Der „Zombie“ kann problemlos ausgetauscht werden. Doch was ist, wenn der Server ein Hardware- oder Softwareproblem hat? Dann sind im Extremfall alle dort gespeicherten Daten und Anwendungen futsch.

Wie sich das äußert haben Benutzer des Google-Dienstes Googlemail vor ein paar Wochen erfahren. Das Mailinterface sind für eine Stunde ausgefallen, offiziell wegen Fehlern bei Wartungsarbeiten, Microsofts Mailangebot war sogar für 5 Stunden unerreichbar. Unvorstellbar für eine Firma, die auf den E-Mail Verkehr angewiesen ist. Und wenn sie noch mehr als einen E-Mail-Server in die Hände anderer Menschen legt? Stellt euch mal vor, Kundendaten einer Bank sind in einer Wolke gespeichert und diese Wolke wird physisch zerstört, sei es durch Brand, Vandalismus oder ein Naturphänomen. Bei dezentral gespeicherten Daten ist eine solche Katastrophe nicht so folgenschwer.

Mark Shuttleworth, der Mann hinter Ubuntu, wird im April ankündigen, dass Ubuntu mit Karmic Koala Cloud-Computing weitgehend unterstützen wird. Es wird Schnittstellen mit Amazons Dienst geben, aber es wird auch eine größere Neuerung geben: Canonical möchte ein eigenes Cloud-Angebot aufstellen. Dieses wird zu 100% auf Open-Source basieren. Damit ist es sehr gut möglich, dass auch Privatanwender auf den Geschmack kommen, eine Wolke nach eigenen Kriterien aufzubauen. Der Vorteil zu den bisherigen proprietären Angeboten ist die Kontrolle, die man hat, und die Möglichkeit, das Angebot mitzugestalten. Damit wird ein großer Teil der Nachteile zerstört. Bisher war man auf das Softwareangebot einer Firma angewiesen, bald wird man es frei aus dem Internet beziehen können. Die Abhängigkeit von einer fremden Firma geht, aber abhängig von der Community ist man weiterhin.

Vorteile

Bei allen Nachteilen die Cloud-Computing bildet, darf man aber diese Entwicklung in der Informationstechnologie nicht nur verurteilen, es gibt auch eine Fülle von Vorteilen, die sich daraus ergeben. Vor allem Firmen können hierbei eine Menge Geld sparen. Für die Büroarbeiter ist es nicht mehr notwendig, dass jeder Computer mit aktueller Hardware ausgerüstet ist, die Rechenleistung wird an einem (bzw. mehreren) Punkten bereitgestellt. Die Anschaffung eines schnellen, leistungsstarken Servers oder einer Serverfarm rechnet sich also wieder mit dem gesparten Geld für die Clients.

Außerdem hat es den Vorteil, dass Softwareupdates nicht mehr bei jedem Computer einzeln installiert werden müssen, sondern dass ein einziges Update für alle Clients gleichzeitig stattfindet. Das spart nicht nur PersonalkostenWink.

Weiterhin ist es für Firmen praktisch, wenn mehrere Menschen auf Dateien zugreifen können, ohne dass diese kopiert werden müssen, somit spart man insgesamt Speicherplatz.

Der wohl größte Vorteil von globalen Wolken wie Googledocs ist wahrscheinlich die absolute Ortsunabhängigkeit: Man kann an jedem PC mit Internetanschluss auf seine Dokumente zugreifen, an ihnen arbeiten, sie verwenden, drucken oder sonstwas damit machen, ohne auf die installierte Software des Anwender-PCs angewiesen zu sein. Und das ist meiner Meinung nach ein Fakt, den man nicht vernachlässigen sollte. Denn wer hat es noch nicht erlebt, dass ein mühsam erstelltes Dokument auf einem fremden Rechner komplett anders dargestellt wird, als auf dem Heim-PC? Oder wer flucht nicht, wenn auf dem neuen Arbeits-PC kein OOo3 oder LaTeX installiert ist, so dass das tolle Dokument quasi wertlos ist?

Fazit

Letztendlich sollte jeder selbst eine Meinung zu Wolken im Computerbereich bilden und für sich selbst wissen, welche Daten er an wildfremde Menschen schickt, damit diese darauf aufpassen. Ich selbst benutze Googlemail, Googledocs nahm ich bisher nur für eine Sicherheitskopie meiner Facharbeit.

Liebe Grüße, Benni

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