Wo die Grenzen von Linux erreicht werden [Bildbearbeitung]

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine Spiegelreflexkamera von Canon zugelegt. Im Vergleich zu den Kompaktkameras ist das natürlich die Formel1 für Fotografie. Mit der neuen Kamera eröffnen sich sozusagen ganz neue Wege in der Fotografie für mich und auch (für mich neu) im HD filmen. Doch mir ist aufgefallen, dass bei Linux die Möglichkeiten des Gerätes nicht völlig ausgereizt werden. Man muss unter den Möglichkeiten der Kamera bleiben.

Es wird Zeit, dass man mal die Unterschiede von Linux, Windows und Mac hervorhebt, wenn es um das Thema Digitalfotografie geht.

Funktionen der Kamera am PC

Der Kamerahersteller liefert (wie üblich) wieder einen Haufen Programme für den PC oder Mac mit. Diese hielt ich für den ersten Moment für überflüssig und nervig. Allerdings stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Funktionen der Software gar nicht mal so unpraktisch sind.

Funktionen bei Linux

Man kann die Kamera mit einem USB-Kabel an den Linuxrechner anschließen. Das Massenspeichergerät wird auch als Digitalkamera erkannt und es öffnet sich z.B. die Fotoverwaltung Shotwell. Damit können die Bilder auf der Kamera angezeigt werden, importiert und mit Tags versehen werden. Auf der Festplatte legt das Programm eine Ordnerstruktur nach dem Aufnahmedaten der Fotos an. Im Anschluss an den Import fragt Shotwell, ob die Bilder auf der Kamera behalten oder gelöscht werden sollen.

Shotwell sortiert die Bilder und ordnet sie chronologisch auf der Festplatte

Die Bilder lassen sich mit dem sehr weitläufigen und professionellen Bildbearbeitungsprogramm GIMP bearbeiten. Von Bedienung und Umfang her ist Gimp durchaus mit kommerziellen Programmen konkurrenzfähig und muss sich nicht verstecken. Den Umgang mit RAW-Bildern habe ich weder in Gimp, noch mit Linux allgemein untersucht.

Funktionen bei Windows und Mac

Durch die mitgelieferte Software hat man nach dem Kauf der Kamera gleich ein umfangreiches Paket parat. Neben der schon bekannten Standardbildbearbeitung gibt es darauf auch Tools zu Bearbeitung von RAW Bildern.

Aber die Kommunikation mit der Kamera ist hier viel weitläufiger als bei Linux. Man hat Zugriff auf die Kamera selbst und kann sie vom PC aus bedienen. Das ist schon sehr praktisch, vor allem wenn man viele Bilder in einem Studio macht. Einen möglichen Einsatzzweck sieht man z.B. in diesem Tutorial.

Professionelle Bildbearbeitung kann am Windows-Computer oder Mac ebenfalls betrieben werden. Neben Gimp, das es auch für diese Betriebssysteme gibt, kann man sich auch eine Vielzahl an teuren Programmen kaufen, denn manchmal ist auch die Funktionalität von Gimp zu Ende (siehe nächstes Beispiel).

Zeitraffer/ Timelapse

Nun haben bestimmt schon einige von euch sog. Timelapse Videos gesehen, das sind Videos mit Zeitraffer. Ganz beliebtes Motiv dafür sind vorbeiziehende Wolken oder Sonnenuntergänge. Jetzt trägt es sich zu, dass man für eine oder zwei Stunden regelmäßig in festgelegten Intervallen Fotos von einer Szene schießt (Belichtungszeit und Blende vorher feinsäuberlich eingestellt) [Übrigens kann man solche Bilder auch mit einer Webcam sehr einfach machen!]. Somit hat man einige hundert Bilder gesammelt und möchte sie nun zu einem Video zusammenschneiden.

Der Weg in Linux

wie man ihn gehen könnte:

Zunächst die Bilder in einem Ordner speichern und mit einem Einzeiler im Terminal auf HD-Auflösung bringen, z.B. 1920×1080 Pixel (dank Imagemagick kein Problem). Danach, wenn man möchte, eine kurze Vorschau ansehen, ebenfalls mit Imagemagick, diesmal mit dem animate-Befehl. Um daraus eine Videosequenz zu machen, kann man nun den mencoder benutzen. Wie das geht wurde z.B. hier beschrieben. Das Video kann danach mit einem Videobearbeitungsprogramm wie Pitivi nachbearbeitet und vertont werden.

Es gibt auch noch ein anderes Projekt namens qtimelapse, dieses wurde aber schon lange nicht mehr weiterentwickelt und ist Funktionsumfang auch stark eingeschränkt.

Der Weg in Windows oder Mac

wie man ihn gehen könnte:

Ich habe hierzu ein sehr gutes Videotutorial gefunden und die Features haben mich überzeugen können. Man braucht hierzu ein proprietäres Programm, ein Unterprogramm von Adobes Photoshop mit dem Namen „Lightroom“. Dieses kostet schon alleine etwa 70-80 Euro. Zusätzlich kann man sich beim Fotografen Gunther Wegner eine Erweiterung besorgen (finanziert sich durch Spenden). Hiermit kann man weitere Dynamik in das Bild bringen und verschiedene Effekte über die Zeit anwenden lassen. Man kann z.B. eine Kameraführung imitieren.

Was an dem Programm aber viel praktischer ist, und worauf ich eigentlich hinauswollte: Es hat Tools mit denen man Flickering verhindern kann, also plötzliche Helligkeitsunterschiede zwischen den Frames. Das lässt den Zeitraffer um einiges sanfter erscheinen.

Fazit

Dies waren nur zwei Beispiele für den Funktionalitätsunterschied, aber man sieht schon wohin das führt. Für die Standardbildbearbeitung, also Belichtungsnachbesserung, Farbverbesserung oder auch einfache und komplizierte Manipulationen ist Linux noch vollkommen ausreichend. Möchte man aber tiefer einsteigen, so gelangt man früher oder später an seine Grenzen.

Der Grund ist hier auch sehr leicht zu finden. Firmen wie Adobe entwickeln mit Hochdruck Programme für Bildbearbeitung und -verarbeitung. Sie haben ein starkes wirtschaftliches Interesse am Erfolg dieser Programme. Es ist teuer für sie, die Software zu entwicklen, und diese Kosten legen sie auf die Kunden um. Das alles kompensiert sich früher oder später mit dem Erfolg des Programms. Die Programme auch für Linux zu kompilieren bzw. neu zu schreiben würde sich nichteinmal ansatzweise lohnen. Es ist schlichtweg viel zu teuer und die Reichweite für dieses Betriebssystem ist zu gering als dass es sich für die Softwarekonzerne lohnen könnte.

Ich benutze nun schon seit über drei Jahren Linux – nur durch Uni und Arbeitgeber unterbrochen. Für den täglichen Gebrauch ist Linux wirklich mehr als ausreichend und um einiges komfortabler wie ich finde. Doch im tiefen Fachbereich muss es in die Knie gehen. Daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern, denn wie schon erwähnt: solche Programme sind enorm umfangreich und haben einen teuren Entwicklungsprozess hinter sich.

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