Karaokeeffekt mit Audacity herstellen

Am Beispiel des bekannten Playstationsspiels „Singstar“ lässt sich erkennen, dass Karaokespiele nach wie vor sehr beliebt sind. Da aber nicht jeder über diese Spielekonsole verfügt und die Titel auf dem Spiel auch stark begrenzt sind, stellt sich die Frage, wie man aus vorhandenen Musikstücken eine „Karaokeversion“ erstellen kann. Man muss also einen Weg finden, wie man den Gesang aus einer Aufnahme herausfiltern kann, so dass das Musikstück karaokegeeignet ist.

Im großen Pool der Opensource Software gibt es natürlich ein Programm, mit dem man so eine Meisterleistung vollbringen kann. Zwar garantiert es nicht bei allen Musikstücken den Erfolg, aber bei den meisten müsste es so funktionieren (siehe Hintergrundinformationen). Es können nur Stereoaufnahmen bearbeitet werden.

Das Programm

Bei dem Programm, das ich für dieses Tutorial verwende, handelt es sich um nichts anderes als das weit verbreitete Audiobearbeitungsprogramm Audacity, was es für die meisten gängigen Betriebssysteme und Distributionen gibt. Für uns Ubuntuuser ist die Installation beispielsweise mit dem Befehl

vollzogen.

Die Bearbeitung

Zunächst muss die Stereoaufnahme importiert werden. Das erreicht man via DateiImport >Audio, oder über einfaches Drag&Drop der Datei in den Bearbeitungsbereich. Im Beispiel versuche ich mich an TNT von ACDC.

Die Stereotonspur muss zunächst aufgeteilt werden, das erreicht man per Klick auf das schwarze, nach unten zeigende Dreieck links neben der Tonspur (siehe Bild). Im daraufhin erscheinenden Menü klickt man auf „Stereotonspur trennen“. Nun muss man beide Tonspuren über das gleiche Menü auf „Mono“ stellen.

Jetzt muss eine der beiden Tonspuren umgekehrt, d.h. invertiert werden. Dazu markiert man eine mit einem Klick auf einen neutralen Bereich, z.B. der, auf den der rote Pfeil zeigt. Daraufhin wird die gesamte Spur markiert. Mit einem Klick auf EffektInvertieren ist die Umkehrung auch geschafft.


Um eine Übersteuerung des Ausgangs zu vermeiden, sollte man nun die Regler der beiden Tonspuren auf jeweils “-6dB” stellen. Siehe dazu auf den Screenshot.


Ob die Maßnahmen erfolgreich waren oder nicht, kann man sich gleich anhören: Per Klick auf den Playbutton wird das bearbeitete Musikstück (hoffentlich) ohne Gesang abgespielt.
Prinzipiell kann man hier schon abbrechen und die Datei auf der Festplatte speichern. Wem es ausreicht, eine echte Monodatei zu haben, der kann mit DateiExportieren hier schon das Projekt beenden. Wer die Musik aber lieber auf als eine Pseudo-Stereodatei haben möchte, der sollte sie noch weiter bearbeiten (Pseudostereo deshalb, weil nach Abschluss auf beiden Kanälen das selbe Signal kommen wird, es also in Wirklichkeit eine Monodatei ist).
Zuerst vereint man die beiden Tonspuren wieder. Dazu markiert man bei gedrückter Feststelltaste (Shift) die beiden Tonspuren (wieder die neutralen Bereiche anklicken). Danach über SpurenSpuren zusammenführen die Monodatei erzeugen.

Diese wieder markieren und über BearbeitenIn neue Tonspur kopieren (bzw. Strg + D) duplizieren.
In der oberen der beiden Tonspuren wieder das Spurenmenü über das schwarze Dreieck aufrufen und über „Stereotonspur erstellen“ selbiges tun.

Zwei vereinte Monospuren ergeben die Stereodatei

Diese kann man nun wie oben beschrieben exportieren und z.B. auf CD brennen.

Hintergrundinformationen

Bei dieser Methode der Gesangeslöschung wird auf den Umstand zurückgegriffen, dass bei den meisten Stereoaufnahmen der Gesang „in die Mitte“ gelegt wird. Durch das Invertieren der einen Tonspur ergibt diese quasi das Negativ des Gesanges auf der anderen Spur, so dass sie sich in der Theorie genau aufheben. Bei der Überlagerung der beiden Tonspuren wird dann nur der Gesang gelöscht.

Wenn die Datei im Anschluss an diesen Vorgang etwas metallisch klingt (und das nicht auf die Musikgruppe zurückzuführen ist ;)), ist das auf das Komprimieren auf das MP3-Format zurückzuführen. Vermeiden lässt es sich leider nicht, am besten funktioniert die Methode mit Material direkt von der CD.

Abkürzung für Faule

Ok, zugegeben, der manuelle Weg scheint ziemlich aufwendig und kompliziert. Darum wurde auch schon ein Plugin installiert, was uns genau diese Arbeit abnimmt. Es findet sich in Audacity im Menü EffektPlugin 1 bis 9Vocal Remover (for center panned vocals).

Diese Anleitung basiert auf diesem Tutorial im Forum von Audacity.

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