Was mich an Lucid stört

Nach einigem hin und her kam ich endlich mal dazu, mir das neue Apluntu – Entschuldigung, ich meinte natürlich Ubuntu – anzusehen. Über eine DVD installierte ich mir die neue Version des Betriebssystems quasi „über“ mein bisheriges Karmic Koala. Hintergrund war der, dass ich eine schlechte Internetverbindung hatte (das Upgrade über das Internt also ausschied) und ich meine Einstellungen in den Programmen gerne beibehalten möchte.

Die Installation ging gewohnt reibungslos und war mit einer schönen Slideshow auch ansprechend fürs Auge. Nach kurzer Zeit stand auch der erste Start bevor, der wunderbar funktionierte. Firefox und Evolution hatten meine Einstellungen übernommen, die Updates wurden erfolgreich eingespielt, fglrx wurde aktualisiert, der neue Kernel stand auch schon in der Aktualisierungssoftware bereit. Neustart, alles wunderbar und läuft. So konnte ich mich mal ein bisschen umsehen.

Fensterdekoration

Der Button zum Schließen ist verdeckt

An die neue Fensterdekoration habe ich mich ungewöhnlich schnell gewöhnt, wenngleich ich den Sinn überhaupt nicht verstehe. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich möchte die Ausrichtung der Button nicht ändern, da ich derartige Eingriffe ins System nicht mag. Einen Nachteil der Ausrichtung der Button habe ich ziemlich schnell entdeckt, auf den ich vorher gar nicht gekommen wäre: Normalerweise habe ich Firefox und Pidgin nebeneinander auf einer Arbeitsoberfläche geöffnet. Am rechten Bildschirmrand ist meine Kontaktliste, den Rest des Bildschirms füllt der Browser. Jetzt kommt es oft genug vor, dass ich die Kontaktliste schließen möchte, Firefox aber ebendiesen Button überdeckt. Früher, als der Button noch rechts war, ging das mit einem Klick. Diese Zahl hat sich verdoppelt!
(Die Kotaktliste nach links zu verschieben hilft mir hierbei nicht besonders, da ich sie am rechten Rand besser im Blick habe)

Nautilus

Das mag pingelig klingen, aber mich stört es, dass die Tabs jetzt keine definierte Breite mehr haben, sondern die volle Fensterbreite ausnutzen 😀

Gnome-Network-Manager

Das ist das größte Manko, das ich bisher entdeckt habe: Mein Surfstick funktioniert nicht mehr richtig. Das heißt, funktionieren tut er noch, aber er STARTET nicht mehr richtig. Folgendes Situation: Ich fahre mein Laptop hoch, stecke den Surfstick ein und möchte mich über gnm verbinden. Unter Karmic (fast) kein Problem. Unter Lucid wird der Stick aber nicht mehr aufgelistet. Nach einigen Experimenten habe ich eine sehr unprofessionelle Methode gefunden, die dieses Problem behebt: Windows booten, mich über die Surfsticksoftware verbinden (der Surfstick zeigt über eine LED die Verbindung zum Mobilfunkmasten an), den PC neustarten und Linux booten (währenddessen verliert der Surfstick die Anmeldung über den Mast, jedoch nicht die Verbindung [er blinkt blau]). Danach wird er in Lucid auch gelistet und alles läuft super. 🙂
Hierfür existieren mittlerweile einige mehr oder weniger halbschaurige Lösungsansätze, allerdings sind dazu Fremdpakete notwendig.

Rhythmbox

Dass der Ubuntu One Music Store integriert wurde, finde ich zwar aufdringlich von Canonical, aber es ist ok. Viel mehr stört mich eine Kleinigkeit, die mein Leben stark verkompliziert: Unter Karmic konnte ich Rhythmbox mit einem Klick der mittleren Maustaste im oberen Panel pausieren, jetzt muss ich das Symbol anklicken und den Haken bei „Wiedergabe“ entfernen. Auch hier hat sich die Klickzahl unnötig verdoppelt.

Die Standardprogramme

Als sehr störend empfinde ich das Fehlen von GIMP in der Standardausstattung von Ubuntu Lucid Lynx. Wenn man als Grund angibt, dass auf der Live-CD zu wenig Speicherplatz vorhanden ist, so könnte man das Bildbearbeitungsprogramm zumindest in der DVD-Version anbieten. Das Argument, dass ein „Otto Normal PC-Benutzer“ kein derartig mächtiges Bildbearbeitungsprogramm braucht, ist in meinen Augen nicht angebracht. Das gleiche könnte man ebenso über Browser und Textverarbeitungsprogramme sagen. Außerdem braucht nicht jeder ein Videobearbeitungsprogramm.

Dass Pidgin durch Empathy ersetzt wurde, finde ich auch nicht prickelnd….

Das Schöne am Luchs

Ok, über die oben genannten Nachteile lässt sich streiten, doch diese paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen. Es hat sich aber auch vieles zum Guten entwickelt. Ich finde z.B. das sehr schön aufgeräumte Indicator-Applet super, da hat sich viel getan im Vergleich zu Karmic! Und wer regelmäßig OMG! Ubuntu! liest (im Planeten tut das mindestens einer 😉 ), weiß auch, dass es jetzt auch noch um einiges vielseitiger wurde. Auch schön finde ich, dass es Chromium in die Quellen geschafft hat, wenngleich auch dieser Browser selbst wieder Nachteile hat (so von wegen GTK). Dennoch ist eine große Wahlmöglichkeiten an Browsern eine schöne Sache und gibt einem das sichere Gefühl von Freiheit.

Das Design finde ich im übrigen auch sehr gelungen, auch wenn es mich sehr an … nein, ich spreche es nicht aus 😉 .

Das Fazit

Auch wenn diese Reflexion vielleicht einen anderen Eindruck hinterlässt finde ich Lucid sehr gelungen umgesetzt. Es überwiegen in dieser Darstellung zwar eindeutig die Nachteile, wobei das in Wirklichkeit nicht so ist. Da ich es selbst noch nicht so lange nutze sind mir natürlich zuerst die Nachteile ins Auge gesprungen. Die vielen Vorteile die es hat, die aber sofort in der Kategorie „das ist doch selbstverständlich“ untergegangen sind, zeigen mir wieder, dass ich mit Ubuntu eine schöne Distribution gefunden habe die ich gerne weiterbenutze. Sicherlich wird es für die oben genannten Probleme Lösungen geben, mit Sicherheit werde ich sie auch wieder finden. Doch bisher hatte ich nicht das Glück 😀

Und wer weiß, vielleicht habe ich damit den einen oder anderen Leser zu einer Gegendarstellung angeregt? Weitere Erfahrungen, ob gleich oder gegenteilig, würden mich brennend interessieren. Leider konnte ich diesbezüglich bis jetzt nur sehr wenig lesen. Gebt euch Mühe 🙂

PS: Sehr lesenswert sind Jonas‘ Berichte aus Afrika, die nicht im Planeten erscheinen: http://www.be-jo.net/de/category/afrika/

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