Von Hurenkindern und Schusterjungen

Es kommt ja hin und wieder vor, dass man für den Beruf oder die Ausbildung eine schriftliche Arbeit anfertigen muss. In bayerischen Gymnasien gab es bis zur Einführung des G8 ja die sagenumwobene Facharbeit, im Studium sind es Haus- oder Semesterarbeiten. Es gibt sehr viele Sitationen, in denen man einen wichtigen, meist langen Text anfertigen muss. Dieser muss natürlich richtig formatiert sein. Leute, die das ganze regelmäßig machen müssen oder sich einfach gut mit der Materie gut auskennen werden dabei sicherlich auf LaTeX zurückgreifen. Für alle anderen gibt es ja Openoffice.
Ich selbst befinde mich gerade wieder in so einer Sitation, in der ein langer, wichtiger Text erstellt werden muss. Bei der Formatierung ist dabei auf viele, viele Kleinigkeiten zu achten, doch OpenOffice hilft einem dabei.
Ich möchte hier einmal kurz auf eine von diesen Kleinigkeiten eingehen, den so genannten Hurenkindern und Schusterjungen. Denn diese werden bei Openoffice optional vermieden.

Was sind Hurenkinder und Schusterjungen?

Schusterjunge und Hurenkind anschaulich

Schusterjunge und Hurenkind anschaulich

Beides sind Begriffe aus der Sprache der Setzer. Ein Hurenkind ist als die letzte Zeile eines Absatzes definiert, wenn diese gleichzeitig die erste Zeile einer neuen Seite (oder Spalte) ist. Ein Schusterjunge ist die erste Zeile eines Absatzes, wenn es gleichzeitig die letzte Zeile einer Seite (oder Spalte) ist.
Beide gelten im Buchdruck als absoluter Fauxpas und sollte wenn möglich vermieden werden. Sie zerstören das Erscheinungsbild des Drucks.

Merksatz: Ein Hurenkind weiß nicht woher es kommt, ein Schusterjunge weiß nicht wohin er geht. Oder: Ein Schusterjunge arbeitet unten im Keller, ein Hurenkind steht verloren oben auf der Straße.

Wie kann man sie vermeiden?

Unter OpenOffice gibt es eine Option um sie zu vermeiden. Je nach Anwendungsfall geht man dabei unterschiedlich vor:
a) Wenn es sich um ein einmaliges „Problem“ handelt, setzt man den Cursor in den betroffenen Absatz und klickt nacheinander auf Format…AbsatzTextfluss (Altnative: Rechtsklick auf den Absatz → Absatz… usw.). Im erscheinenden Menü gibt es unten die Optionen und man kann einstellen, nach wievielen Zeilen die Regelung greift.


b) Wenn man ein längeres Dokument hat und auf fertige Formatvorlagen zurückgreift, empfielt es sich, die Formatierung für den gesamten Fließtext vorzunehmen. Ich lasse den Fließtext immer als „Textkörper“ formatiert. Um für diese Formatvorlage die Hurenkind- und Schusterjungenregelung zu aktivieren, klickt man in OOo auf das Dropdown Menü für die Formatvorlage und wählt Weitere… (siehe Screenshot)
Daraufhin erscheint ein kleines Fenster mit den verfügbaren Formatvorlagen. Darin klickt man mit der rechten Maustaste auf „Textkörper“ und wählt „ändern“ aus. Im nun erscheinenden Fenster klickt man auf den Reiter „Textfluss“ und erhält das obige Fenster wieder.
In LaTeX kann man beide mit den Befehlen \widowpenalty und \clubpenalty vermeiden.

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