ZDF versucht sich in neuem TV-Format

Heute abend, 23. November 2010, ab 21 Uhr, versucht das ZDF mit den neuen TV-Format „log in“ die Diskussion über Stuttgart 21 ins Internet zu verlegen. Zusammen mit studiVZ wird es „die einzige Sendung im deutschen Fernsehen, in der die Zuschauer via Internet das Wort führen“ im ZDF infokanal geben. Das Prinzip ist eigentlich einfach und in politischen Wahlsendungen in Amerika und anderen Ländern schon lange Standard:

Die Zuschauer stellen über die ZDF-Homepage bzw. über StudiVZ ihre Fragen, die „direkt und ungefiltert in der Sendung gestellt werden“. Die Fragen können schon seit ein paar Tagen online voreingereicht werden und sollen vom Stuttgarter Oberbürgermeister persönlich,Wolfgang Schuster, beantwortet werden. Dabei steht es den Zuschauern frei, die Frage in Text- oder Videoformat einzureichen.

Die oben zitierte Formulierung klingt ein wenig so, als ob jede Frage die man dort stellt, auch in der Sendung an Herrn Schuster gerichtet werden, allerdings ist das mit Sicherheit anders gemeint. Es werden höchstens die ausgewählten Fragen auch „direkt und ungefiltert“ gestellt, sonst würden Spaßvögel auch Fragen wie „welche Farbe hat ihre Unterwäsche“ stellen.

Das ist natürlich die Blütezeit für Sonja Schünemann, deren Job als Expertin nun eine leitende Rolle bekommt. Bisher bekam sie nur kurze Sprechrollen bei Sonderthemen, in denen sie z.B. kurz nach dem Erdbeben die Entwicklung des Schlagwortes #Haiti bei Twitter bewerten sollte, oder welcher Politiker am Wahltag die meisten Zusprüche bei Facebook bekommt. Das ZDF versucht nun auf Biegen und Brechen das Internet ins Fernsehen zu holen bzw. genau umgekehrt. Das ist eine volle Zukunftsinvestition für den Fernsehsender. Diese Sendung hat eine Zielgruppe von nahezu ausschließlich Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit solchen Sendungen wieder auf das ZDF aufmerksam gemacht werden sollen. Im Gegensatz zu den Privatsendern hat es das ZDF nicht verpennt, sich rechtzeitig um diese Zielgruppe über das Internet zu kümmern. Sie sind gerade noch rechtzeitig auf den Internetzug aufgesprungen.

Durch die Vielzahl an Digitalsendern gelingt es das ZDF, dieses neue Format kurz vorzutesten und zu sehen, wie solche Interaktivität auch außerhalb von politischen Wahlkämpfen aufgenommen wird. Das Hauptprogramm, dessen Zielgruppe locker mal zwanzig Jahre über dem Altersdurchschnitt der log in-Guckern liegt, wird nicht beeinflusst. Bis es solche Sendungen auf die große Bühne schaffen, werden noch einige Jahre vergehen…

Die Sendung wird übrigens von Jungmoderator Jo Schück moderiert und kann sowohl online auf login.zdf.de sowie auf Twitter verfolgt werden. Ein Trailer zur Sendung steht in der Mediathek zur Verfügung.

Bildquelle: Flickr

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