Groundspeak setzt auf OpenStreetMap statt Google Maps

Dienstagabend, gegen 18 Uhr MEZ, gab es auf der Internetseite geocaching.com , einer Tochter von Groundspeak Inc., ein Webseitenupdate. Die Kartenansicht, die sowieso seit geraumer Zeit im Betamodus stand, wurde erneut überarbeitet und gestern online gestellt.

Bisher setzten die Betreiber von geocaching.com auf Google Maps, dem Kartenmaterial von Google. Dies hatte den Vorteil, dass man sich die Lage der Caches nicht nur auf einer Landkarte ansehen konnte, sondern anhand von Satellitenbildern die Lage anhand von Gebäuden abschätzen konnte. Doch von nun an werden die Karten standardmäßig mit Material von OpenStreetMap.org ausgestattet.

Die neue Kartenansicht bei geocaching.com

Gründe für das Umstellen

Google hat die Richtlinien für die API von Google Maps geändert. Ab sofort sollen alle Konsumenten der API Geld bezahlen, sofern sie mehr als 25.000 Seitenaufrufe täglich haben. Groundspeak zählt jedoch ca. 2.000.000 Zugriffe auf die API täglich, womit sie zu den 0,35% der betroffenen API-Benutzern gehören.

Da diese sicherlich hohen Kosten (grob überschlagen ca. $8000 pro Tag) von Groundspeak nicht getragen werden können oder wollen, wurde die sowieso schon nebenher eingepflegte Karte vom OpenStreetMap-Projekt als Hauptkarte umfunktioniert. Das hat einige Vorteile:

  • Die Karten von OSM ist gemeinfrei und dürfen von jedermann verändert, ergänzt und benutzt werden. Hier greift also das Prinzip der Gemeinfreiheit, nach der auch die Wikipedia, Linux und diverse andere Projekte funktionieren. [Update: Danke an FlorianJW für den Hinweis]
  • In großen Teilen, vor allem Ballungsräumen, sind die Karten bei OSM deutlich detailreicher, weswegen die Geocaches evtl. anhand von Fußwegen im Park gefunden werden können (Overlay beider Karten, ideal zum Vergleichen)
  • Die Tooltipps von geocaching.com werden in jeder Zoomstufe schneller geladen
  • Smartphones und Tablets ohne Flash können nun auch die Karte sehen
  • usw.
Karte des Discovery Park mit Google Maps (links) und OSM (rechts)

Karte des Discovery Parks mit Google Maps (links) und OSM (rechts)*

Gibt es auch Nachteile aufgrund der Umstellung?

Was natürlich negativ auffällt: durch die Umstellung fällt das Feature weg, dass man auf Satellitenbildern die Position der Geocaches abschätzen kann. Dennoch existieren weiterhin die Direktlinks auf Google Maps unter jedem Cache.

Einige Kleinigkeiten auf der Internetseite wurden bisher offensichtlich noch nicht aktualisiert. Unter den Caches wird z.B. weiterhin die interne Google Maps Karte in Worten angepriesen, führt jedoch zur neuen OSM Karte. Außerdem ist das Vorschaubild auf den Cache-Listings noch auf Google Maps basierend, was aber problemlos umgestellt werden dürfte, da etwas weiter oben eine OSM-Vorschau existiert.

Links zu anderen Kartendiensten bleiben erhalten, Satellitenaufnahmen können also per Direktlink angesehen werden

Und sonst so?

Ich finde es eigentlich total gut, dass OpenStreetMap nun benutzt wird. Erstens finde ich das Projekt klasse, ich habe hier auch schon aktiv mitgewirkt. Bei 2 Millionen Seitenaufrufen täglich wird dieses Projekt nun auch einer weiteren, breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht bzw. vorgestellt.

So lange ich geocaching.com nutze, so lange wird OSM auch schon (wenn auch nur nebenher) betrieben. Schade, dass erst hohe Lizenzkosten die Webseitenbetreiber dazu getrieben haben, umzustellen.

Wenn man überlegt, wieviel Geld sich Groundspeak dadurch spart, könnte ich mir auch eine hohe Spende der Firma an das OSM-Projekt vorstellen. Sozusagen als Dankeschön für die Lizenzkostenfreiheit und Entschuldigung für den hohen zusätzlichen Traffic.

*) Beispiel gewählt und Bildquelle von http://blog.geocaching.com/2012/02/new-geocaching-com-maps/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *